Absturzsicherung des Schwarzwald-Baar-Kreises

Eine Tasche voller Überraschungen - oder

1. Multiplaktoren Lehrgang Absturzsicherung des

Schwarzwald-Baar-Kreises

Auf vielen Feuerwehrfahrzeugen ist mittlerweile ein Gerätesatz Absturzsicherung verlastet. Eine Tasche voller Überraschungen. Ein Kombigurt, viele Karabiner und Bandschlingen, ein Falldämpfer, ein Seil und und und.

  • Doch wie wird das Material richtig angewendet?
  • Was kann Mann/Frau damit tun?
  • Wann kommt dieser Gerätesatz zur Anwendung?

Fragen über Fragen. Damit es nicht nur bei der Beschaffung bleibt, sondern auch eine qualifizierte Ausbildung nach den gültigen Regeln, Richtlinien und Vorschriften erfolgt, hat sich die Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Villingen-Schwenningen bereit erklärt, für den Landkreis Schwarzwald-Baar einen Multiplikatorenlehrgang „Absturzsicherung” durchzuführen. Bei dem vielseitigen Einsatzspektrum der Feuerwehren ist es

durchaus möglich, dass der agierende Feuerwehrmann/frau in eine Situation gerät, wo ein Unfall durch Absturz möglich sein kann. Hier ist eine Sicherung gegen Absturz unbedingt notwendig. Daher ist das erlernen einer sachgemäßen Handhabung des Gerätesatzes dringend erforderlich um evtl. unnötige Gefahren aus zu schließen.  Der nachfolgende Bericht soll hierüber einen kleinen Einblick gewähren.

1. Tag 25.09.2008

Um 19.00 Uhr begann der Lehrgang mit einem theoretischen Teil.

Thema war hier die Notwendigkeit des Gerätesatzes Absturzsicherung, Grundlagen, Normen, Einsatzbeispiele, Einsatztaktik. Aber auch die Einsatzgrenzen der Absturzsicherung wurden verdeutlicht, denn bei der Absturzsicherung ist die erste Sicherung des Feuerwehrangehörigen seine Hände und Füße. Das verwendete Seil ist lediglich seine Redundanz. Ein Arbeiten bzw. freies Hängen im Seil ist bei der Absturzsicherung nicht erlaubt. An dieser Stelle kommt die Höhenrettungsgruppe zum Einsatz. Viel Theorie die gegen 23.00 Uhr endete.

2.Tag: 26.09.08, 8.00 Uhr:

Der zweite Tag begann mit einem Arbeitsfrühstück. Auf dem Stundenplan standen  Themen wie Material- und Knotenkunde, Standplatzbau und standardisierte Sicherungstechniken. So viel Wissen möchte natürlich auch angewendet werden. Also ging es nach dem Mittagessen an zwei „Einsatzstellen”. Hier wurde das erlernte praktisch umgesetzt. An insgesamt 4 Stationen wurde in Kleingruppen das Sichern einer absturzgefährdeten Person geübt, das Begehen von Dächern, Selbstrettung, aber auch der gesicherte Transport eines Verletzten in der Schleifkorbtrage über eine Böschung wurde geübt.

Nach einem windigen Nachmittag, traf man sich zur Nachbesprechung und einem Abendessen gegen 19.00 Uhr wieder im Gerätehaus in Schwenningen. Um 20.30 Uhr gab es einen  Nachtisch der besonderen Art: Ein Nachteinsatz der von den Lehrgangsteilnehmer  noch einmal alles abverlangte. Das Szenario: Eine Person soll von einer Brücke gerettet und über eine steile Böschung abtransportiert werden. Aufgabenstellung hierbei: die Kontaktaufnahme mit der zu rettenden Person, Aufbau eines Standplatzes, Vorstieg zum Opfer und die gesicherte Rückführung sowie der Transport in einer Schleifkorbtrage über eine steile Böschung zum Rettungswagen. Die Schwierigkeit der Übung bestand u.a. darin, nach einem anstrengendem Tag, versehen mit viel Theorie und praktischen Übungen, in der Dunkelheit die neugewonnenen Erkenntnisse sicher, selbstständig und eigenverantwortlich anzuwenden.

Voller Stolz waren nicht nur die Lehrgangsteilnehmer sondern auch die Mitglieder der Höhenrettungsgruppe Villingen-Schwenningen, als der „Einsatz” nach ca. einer Stunde mit der Übergabe der verunfallten Person an den Rettungsdienst abgeschlossen werden konnte.

Bei der anschließenden Materialkontrolle waren alle Lehrgangsteilnehmer von der Übung als auch von der Aufgabenstellung begeistert. Die Uhr schlug 23.00 Uhr und ein weiterer Lehrgangstag konnte abgehakt werden.

3. und letzter Tag: 27.09.08, 8.00 Uhr: Arbeitsfrühstück.

Die letzten wichtigen Themen wurden in Angriff genommen:

  • Erste Hilfe
  • Unfall-Verhütungs-Vorschrift
  • Gefährdungsanalyse
  • Notfallmanagement
  • Materialprüfung
  • Fristen und Vorschriften

Auch wurde hier nochmals deutlich vermittelt, dass das Absturzsicherungs-Material, nur über den vom Hersteller definierten Zeitraum zu verwenden ist. Das heißt konkret: Unabhängig ob das Material zum Einsatz kam oder nicht, muss es nach der Zeitvorgabe des Herstellers ausgetauscht werden.  Dies geht natürlich zu Lasten der kommunalen Haushalte, doch der Sicherheitsaspekt muss hier als klarer Punkt überwiegen.

Nach der Mittagspause hatte die Praxis wieder die Regie übernommen. An einem ca. 30 Meter hohen Aussichtsturm wurde der Vorstieg und die Rückführung von Personen trainiert. Mit kritischen Blicken verfolgten und bewerteten die Mitglieder der Höhenrettungsgruppe Villingen-Schwenningen das Vorgehen der Lehrgangsteilnehmer. Großes Augenmerk wurde hier auf den Standplatzbau, das korrekte Vorgehen sowie das Erkennen der Einsatzgrenzen und die erforderlichen Nachforderungen gelegt.

Nach fast dreistündiger Übung erfolgte die Rückfahrt zum Gerätehaus Schwenningen, wo der theoretische Leistungsnachweis auf dem Programm stand. Nach all der Praxis ein leichtes Unterfangen. Durch den Leiter der Höhenrettungsgruppe Villingen-Schwenningen, Martin Burwig, wurden gegen 16.00 Uhr die Urkunden des 1.Multiplikatorenlehrganges Absturzsicherung des Schwarzwald-Baar-Kreises an die Teilnehmer übergeben

Alle Teilnehmer zeigten sich von der kompakten Ausbildungsform begeistert. Die anfängliche Skepsis überwog der Begeisterung über die 27 Stunden dauernde Ausbildung die, glaubt man den Teilnehmern,  wie im Flug vergangen sind. Auch die Höhenrettungsgruppe Villingen-Schwenningen als Ausbilder und Veranstalter teilte diese Meinung und war von der  Motivation der Lehrgangsteilnehmer begeistert.

Lutz Melzer

Autor: lutz
Datum: Donnerstag, 30. Oktober 2008 12:55
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Einsatzübung

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare sind geschlossen,
aber Du kannst einen trackback auf Deiner Seite setzen.

Keine weiteren Kommentare möglich.